Geschichte und Entwicklung
     
    Wie in vielen anderen Gemeinden des Tiroler Oberlandes, gab es zur Zeit der Rauhnächte auch in Haiming schon vor langer Zeit ein “Krampelertreiben”. Mündliche Überlieferungen berichten von durch die Obrigkeit (Pfarrer,Lehrer, Bürgermeister) stark eingeschränkten Auftritten der “dunklen Gesellen”.
     
    Mit ihren Fellen angekleidet haben sich die Haiminger “Urkrampeler” in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg meist in Tennen oder alten Bauernstuben herumgetrieben. So mussten die Familien der “Diktl” (Raffl) und “Binder” (Strigl) ihre warmen Stuben für einige wenige Tage den Krampelern überlassen. Der erste Haiminger Krampuslauf der Neuzeit fand im Dezember des Jahres 1980 statt.
   
 
   

Idee und Umsetzung

 
       
    Schon lange vor dem ersten offiziellen Krampuslauf gab es eine Gruppe von jungen Haimingern, die immer wieder Maskenbälle besuchten und mit ihren originellen Kostümen für positives Aufsehen sorgten. Und bei der Vorbereitung zu solch einem Ball im Feber 1980 kam Herbert Reinstadler - damals ein junger Sportlehrer – auf die Idee, mit dieser Runde einen Krampuslauf mit Nikolauseinzug zu veranstalten - die Haiminger Krampusrunde war geboren.  
       
    “Chef” der Gruppe wurde der damalige Fasnachtsobmann Gerhard Valte, der sein organisatorisches Talent und sein großes Herz für den Erhalt von Haiminger Tradition vielfach unter Beweis gestellt hatte.  
       
    Valte heute: “Die Maskenbälle kamen uns im Laufe der Jahre einfach zu teuer, jeder einzelne Teilnehmer setzte oft tausende Schilling aus dem Geldbörsl ein, um dabei zu sein. Da wir aber eine eingeschworene Gruppe waren, suchten wir nach einer Alternative und fanden diese mit dem Krampuslauf”.  
       
   
Die Gründungsmitglieder
 
       
    Krampeler:  
    Herbert Reinstadler, Karl Kopp, Egon Flunger, Günther Kapeller, Oliver Schöpf, Gerhard Leitner, Reinhold Pohl.  
    Nikolaus:  
    Gerhard Valte, Gerhard Löffler, Robert Hafele  
       
   
1. Krampuslauf 1980
 
       
    Mit zehn “Mandern” ging 1980 die Gruppe um Gerhard Valte in den 1. Haiminger Krampuslauf. Gerhard Valte - er regiert noch heute mit starker Hand die Krampeler – erzählt von den Anfängen: “Das erste Mal sind wir mit Gummilarven und in den Fellen der Bären und Bärentreiber (Anmerkung: traditionelle Haiminger Fasnachtsfiguren) in den Krampuslauf gegangen.  
       
    Schon damals ist unser Auftritt auf großes Interesse gestoßen. Im Jahr darauf ist dann der Gedl (Anmerkung: Gerhard Leitner) schon mit einer vom Pichlers Hubert ausgeliehenen, geschnitzten Holzlarve, mitgelaufen. 1981 haben wir dann auch schon Pakete für die Kinder gemacht und diese in der Kirche ausgeteilt.”  
       
     
    Das Bild zeigt drei Krampeler von 1980; damals noch im Fell der
Bären und mit Gummilarven.
 
       
     
    Christian Aschaber, Valte sen. und junior bemalen die Holzlarven.  
       
   
Entwicklungen
 
       
    Schnell zog in den Kreis der Krampusrunde ein Hauch von “Professionalität” ein. Bereits 1982 waren schon acht Krampeler mit “Schnegg-Larven” ausgestattet (Anmerkung: Eine Grundvoraussetzung zur aktiven Teilnahme am Krampuslauf ist das Tragen einer vom Imster Künstler Luggi Schnegg geschnitzten Larve).  
       
    Auch die Kostüme wurden laufend verbessert. Die Haiminger Krampeler trugen früher hauptsächlich Gams- oder Kunstfelle, heute laufen sie großteils in Ziegenfellen. Darunter tragen sie rote Strumpfhosen, die Schuhe oder Stiefel sind ebenfalls mit Fellen überzogen.  
       
    Die ersten Runden durch das Dorf (ähnlich der heutigen am Samstag stattfindenden “Dorfrunde”) waren von der Einkehr gekennzeichnet. Beim Feilers Günther (Günther Kopp), beim Zickeler (Gasthof Stern) bei der Pohl Hedwig und der Ötzers Dora (Dora Wiedenhofer) wurden die Krampeler und Nikoläuse großzügigst bewirtet.  
       
    1982 erfolgte der Einzug vom Gemeindehaus zur Kirche. Valte berichtet, dass schon damals genaue Aufzeichnungen über die Teilnehmer am Krampuslauf geführt wurden. “Von Anfang an waren wir auf Sicherheit für Aktive und Besucher bedacht; wir standen und stehen alle Jahre wieder in engem Kontakt mit der Gemeinde und der Gendarmerie”, erzählt Gerhard Valte.  
       
    1983 war zuerst die Andacht in der Pfarrkirche Haiming, später wurden am Gemeindeplatz die Pakete an die Kinder verteilt.  
       
   
Kesselrunde
 
       
    1984 erfolgte ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Haiminger Krampuslaufes. Erstmals erfolgte ein Krampuslauf an zwei Tagen mit einer Dorfrunde für die Haiminger Bevölkerung und ein großer Lauf mit Kesselrunde für alle Freunde des Spektakels.
1986 stieg der Oberteufel (siehe Beschreibung unterhalb über die Aufführung) aus einem Kanal.
1988 wurde die Kooperation mit den Haiminger “Marktlern” beschlossen - seit damals sind Krampusse und Nikolos fester Bestandteil des Nikolo-Marktes (jährlich am 1. Adventsonntag).
1995 wurde das erste Mal eine Tribüne (vor allem für Familien mit Kleinkindern und ältere, gebrechliche Zuschauer gedacht) installiert und der Oberteufel entstieg aus einem extra für den großen Kesseltanz am Gemeindeplatz gebauten, unterirdischem Kleinbunker, dem sogenannten “Loch”.
1996 feierten die Haiminger Krampeler ihre Premiere mit einem Auftritt im Imster  Fachmarktzentrum (FMZ).
 
       
     
    Ein wilder Krampeler tanzt um den feurigen Kessel am Gemeindeplatz  
       
   
Der Ablauf
 
       
    Der Haiminger Krampuslauf findet alle Jahre am ersten Adventsonntag statt. Am Tag vorher laufen die Haiminger Krampeler für die Leute im Dorf, bei der sogenannten Dorfrunde. Der Feuerkessel steht bei der Dorfrunde beim Haiminger Gemeindeplatz.
Der eigentliche Krampuslauf wird vom ohrenbetäubenden Geschelle der riesigen Glocken eingeläutet.
 
       
    Zwischen 60 und 70 Krampeler laufen der Siedlungsstraße entlang in Richtung Gemeindeplatz, das Spalier bilden tausende Zuschauer (meist zwischen 4.000 und 6.000), die aus allen Landesteilen anreisen, um bodenständiges Brauchtum zu erleben.  
       
   
Die Aufführung
 
       
    Das Kernstück des Haiminger Krampuslaufes ist der Machtkampf zwischen dem Teufel, der aus seinem unterirdischen Reich aufsteigt und dem Oberteufel, der sich zum neuen Herrscher der Höllischen gekürt hat.  
       
    Einige Anhänger des “Alten” fordern nun diesen mit Feuer, Geschelle und heftigen Schlägen mit den Ruten zum Erscheinen auf, um die alte Ordnung wieder herzustellen. Es ist ein tolles Schauspiel wenn sich der Teufel endlich aus dem Kleinbunker drängt und den Oberteufel zur Räson bringt. Der Abtrünnige verschwindet nach dem verlorenen Kampf wieder in die Unterwelt und nimmt einen ausässigen Jungen mit, der später als kleiner Krampus wieder erscheint und von den höllischen Gesellen als neues Mitglied akzeptiert wird.  
       
   
Unsere Perspektiven
 
       
    Nachwuchssorgen haben die Haiminger Krampeler keine. Alljährlich bewerben sich mehr junge Leute beim Krampuschef, als dieser aufnehmen kann.  
       
   
   
   
...einer der Gründer und unser heutiger Obmann Gerhard Valte alias Vlati.
       
     
     
   
     
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